Kleines Haus

Mitten im Dorf Jonschwil im Toggenburg stand eine alte Remise. Früher wurde sie mit Schilte Sieben bezeichnet, was in den Dörfern jeweils für denjenigen Stall üblich war, der am schiefsten in die Gegend ragte.


In diese Remise wurden übereinander drei zueinander abgedrehte Zimmer eingebaut. Diese Stapelung öffnet einen spiralförmigen vertikalen Lebensraum durch alle drei Stockwerke hindurch.


Die minimalen Verhältnisse des Grundrisses von sechs mal sechs Meter machen insgesamt ein kleines Haus mit 99 Quadratmeter Wohnfläche aus. Von Aussen mag es klein wirken, im Innern wirkt es um einiges grösser. Die Öffnungen im Innenraum verknüpfen die Räume, grosse Fenster schaffen Bezüge zur nahen Umgebung, Durchblicke entstehen.


Die kleinen Verhältnisse zwinkern japanische Raumkonstellationen hervor. Das Haus hat keine Gänge sondern besteht aus einer Sequenz von Räumen. Diese lassen sich zum Teil in verschiedenen Abfolgen erleben und mit horizontalen Netzen gar im Schwebezustand erfahren.


Alles ist klar reduziert und die Materialien natürlich belassen. Die Technik findet Platz in einem Schrank im Waschraum. Einen Keller hat es wegen dem Grundwasser keinen. Klein heisst auch wenig Volumen zum Heizen. Eine dicke Dämmung aus Holzfaser und Schafwolle schützt das Haus. Der Holzofen wird unterstützt durch eine Bodenheizung im einfachen geschliffenen Unterlagsboden. Klein ist auch die Bausumme, die der einer kleineren Wohnung entspricht.


Die Holzfassade aus heimischer Lärche wird die Witterung auf den Kanthölzern und den Holzfenster aus Föhre über die Jahre hin zeichnen. Der zurückhaltende Bau nimmt Bezug zum historischen Kontext und prägt den Ort nachhaltig, so der Ortsbildschutz.


Jonschwil, April 2019


L. Lenherr

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